frontline-Intoxikation

Die beiden im Artikel genannten HundeDie beiden betroffenen Hunde, Rüde B im Vordergrund, Hündin A auf der Flucht vor der Fotografin
Die beiden im Artikel genannten Hunde

Die beiden betroffenen Hunde, Rüde B im Vordergrund, Hündin A auf der Flucht vor der Fotografin

Frontline-Intoxikation:

    • Übers Wochenende erreichte mich eine alarmierende Meldung:
    • Neurologisch geprägtes Krankheitsbild nach Frontline-Behandlung:

Der Fall betraf zwei Hunde aus dem selben Haushalt, einem Mehrhundehaushalt mit drei Hunden und diversen Katzen. Nur die beiden im Artikel beschriebenen Hunde, die aktuell mittels Spot On gegen Flöhe behandelt wurden, erkrankten.
-Hündin A ist eine fitte, junge kniehohe Mischlingshündin,
-Rüde B ein  elf Jahre alter Pudel.

Die Ampullen wurden über einen online-Versandthandel bestellt

Bericht:

  • Samstag abend frontline spot on bei Hündin A und Rüde B.
  • Hündin A zeigt am Sonntag Nachmittag gegen 16 Uhr ziemlich plötzlich ein vollausgebildetes Krankheitsbild:
  • Beginn mit starkem Speicheln, „literweise“ , wässrig. Sie konnte sich nicht mehr aufrecht halten, hatte keine Kopfkontrolle, keine Kontrolle über willkürliche Muskulatur und Bewegungsabläufe. Sie wirkt apathisch, zeigt Zucken wie von Stromschläge, ist stark schreckhaft  gegen Geräusche, und zeigt insgesammt ein Bild wie ein epileptoformer Anfall. Die Pupillen sind stecknadelkopf-gross.

TA :
med: infusion Ringer plus Luminal
Zwei stunden später Speicheln weniger, am nächsten Tag istsie immer noch ataktisch, keine Muskulaturkontrolle, Erbrechen nach Fressversuch.

  • Montag:
    zweite Infusion, halbe Stunde später wie “ Schalter umlegen“, Muskeltonus kommt zurück, ab da allgemeine Besserung
    Mittags kann sie fressen, kein Erbrechen mehr.
    Allgemein ist sie noch etwas gedämpft , am Nachmittag war sie wieder okay.
    nach Besserung trockener, sehr harter kugelförmiger kot

Gesammtverlauf ca 24 Stunden

Die leeren Ampullen wie auch die Umverpackung wurden durch den behandelnden TA von Hündin A sichergestellt, dokumentiert und fotografiert und an Merival gesandt mit Fallschilderung und Bitte um Stellungsnahme
– Infusionstherapie da Hauptanzeichen neben den neurologischen Symptomen starke Exsikkose.

 

 

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Rüde B.

Gegen 20 uhr Beginn neurologisches Bild
von einer min auf die andere, „wackeln“ beim Versuch zu stehen, stark herabgesetzter Muskeltonus, Kontrollverlust willkürlicher Bewegungsabläufe, flache Atmung, hochgradig apathisch

TA Klinik:

„zwanzig prozent Überlebenschance“, schweres Kreislaufversagen und neurologisches Bild, Empfehlung: Euthanasie

Kontaktaufname zur Klinik durch den TA der Hündin A behandelte mit Info über Frontline-Intoxikations-Verdacht
Infusionstherapie

Rüde B kommt Montag gegen 19.30 Uhr mit Restsymptomatik nach Hause zurück. Er ist weiter verlangsamt, reaktionsträge, leicht teilnahmslos.

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Info von Merial:

Bestätigung der Chargenzugehörigkeit, Verdacht auf Fehllagerung bzw Transportschaden im Sinne von zu warmer Lagerung

( die eingesendeten Restampullen können Merial zum Zeitpunkt der Erklärung noch nicht vorgelegen haben, so das die Erklärung rein über die Zuordnung der Chargennummer bzw über den Versandtzeitpunkt von Hersteller zum Kunden, hier dem online-Händler  ( Mutmassung des Zusammenhanges :August, warmes Wetter) zustande gekommen sein kann.)

 

 

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Übrigens: beide Hunde haben noch Flöhe
Von der Tierklinik wurde zum Entflohen des ja noch nicht flohfreien Rüden B bei Abholung…frontline Spray mitgegeben…😳

 

(Betrachtung: die intensive Flüssigkeitstherapie war innerhalb relativ kurzer Zeit quasi allein in der Lage das Bild dramatisch zu verbessern. Weitere sedative Massnahmen erwiesen sich als nicht notwendig.

Insgesammt sind mir aufgrund meiner jahrelangen Praxisbeobachtung neurologische Symptome nach Frontline-Behandlung geläufig, jedoch mit etwas milderer Symptomenausprägung.

Im allgemeinen habe ich jedoch die Erfahrung gemacht das bei neurologischem Symptomenbild nach Frontline-Behandlung die behandelnden Tierärzte ungern bereit sind, einen Zusammenhang in Erwägung zu ziehen.

 

Mir stellt sich die Frage, ob ein Mittel, welches bei falscher Lagerung ( siehe vorläufige Erklärung der Fa) solch massives Krankheitsbild auslösen kann, nicht unter stärkere Kontrolle gehört, und ob die freie Verfügbarkeit ohne Rezept für den Anwender nicht eine grobe Fahrlässigkeit seitens der Händler darstellt)