Menschen und Macht

Kaukasin mit Sinn fürPrivatsphäre

Täter, Opfer, Retter…oder Tierschutz und unser alternativloser Normalitäts-Begriff

 

Menschen und Macht über Lebensschicksale anderer Lebewesen

Herbst...Zeit zum reflektieren
In den letzten Jahren gelangen Tierschutz-Themen immer mehr in den Blick der Öffentlichkeit. Was dringend notwendig war. Damit einhergehend polarisieren dort leider Standpunkte und Ansätze …was weniger gut ist.

Ein vieldiskutiertes Beispiel ist der Auslandstierschutz mitsammt seiner zwar gut gemeinten aber teilweise absurd anmutenden Auswüchse. Die betreffenden Vereine schießen wie Pilze aus dem Boden…manchmal scheint mir mittlerweilen, das jeder der was auf sich hält und seine Tierliebe nach Außen bekräftigen will, irgendwo her einen Hund „gerettet“ hat. Dies ist nicht nur im Auslandstierschutz zu bebachten. Auch hierzulande wird immer mehr betont, das der second-hand-Hund aus irgendeiner mißlichen Lage „gerettet“ wurde. Mensch definiert sich und seine Hundehaltung quasi darüber.
Früher hatte man seinen Hund vom Züchter, vom Bauern oder vom Kumpel…heute hat man ihn „gerettet“.

Woher kommt dieses Bedürfnis zu retten, und was drückt es aus?
Retten beinhaltet ja auch Macht( versus Ohnmacht) Dinge und Umstände zu ändern. Gerade in Zeiten wo wir immer mehr an Grenzen des Machbaren stoßen, zuviele Dinge einfach nur hinnehmen können ohne Möglichkeit der Einflußnahme hilft das Retten sich selbst davon zu überzeugen, nicht gänzlich “ machtlos“ zu sein. Es bestätigt uns unsere eigene Wirksamkeit.
Das Retten aus scheinbar unerträglichen Umständen lenkt auch ab von eigenen, unerträglich empfundenen Umständen …und relativiert diese.

Ursel

Und was ist mit dem Geretteten? Für den ist das doch toll…oder? Sehr einfühlsam und klar beschreibt Gerd Schuster anhand der Situation in Bulgarien in diversen Youtube-Videos und immer wieder auch auf seiner Facebook-Seite die ursprüngliche Realität vieler dieser Geretteten.
Wir Menschen stülpen Anderen…in diesem Fall Tieren/Hunden…aber ganz gut können wir das auch mit unseren eigenen Artgenossen, unsere Realität als die einzig normale, gute, gesunde über ohne den Anderen, den “ zu Rettenden“ überhaupt nach seiner Meinung zu fragen. Oberflächlich könnt man behaupten, das der Nutzen dabei doch auf beiden Seiten besteht. Wir können retten und uns gut fühlen…der Hund bekommt bei diesem Deal einen trockenen warmen Sofaplatz und regelmäßiges “ artgerechtes“ Industriefutter 🤔…ob der Hund das wirklich will, Sofa gegen Freiheit, Futter gegen Unterordnung in einen fremdbestimmten Tagesablauf? Ihm bleibt keine Wahl. Und da Hunde extrem anpassungsfähige Lebewesen sind, schaffen sie es äußerlich meist mehr oder weniger, sich zu arrangieren. Die stillen Opfer kratzt die Straßenmeisterei aus den Gräben der Autobahnen, wenn sie , überfordert mit der Reizüberflutung unserer urbanen Gebiete ausbüxen, an ihnen verdient sich manch Tierarzt eine goldene Nase durch kaum therapierbare Futtermittelunverträglichkeiten, Mittelmeerkrankheiten ect und auch etliche Tierverhaltenstherapeuten und Trainer haben ein stabiles Auskommen durch die Nichterziehbarkeit der Geretteten….die Hoffnung der Neuhundebesitzer stirbt zuletzt, man tut ja alles dafür, das sich der Zwangsentführte auch wirklich wohl fühlt…öhm, pardon, natürlich der Gerettete.

Menschen retten nicht nur Tiere, sie retten auch gerne ihresgleichen, bzw “ ihresähnlich“. Denn die dort zu rettenden befinden sich meist auf einer niedrigeren Hirarchieebene der hiesigen sozialen Hackordnung, werden stigmatisiert und ausgegrenzt…würden sie das nicht gäbs ja nix zu retten. Meist wird politisch genügend dafür getan das den Betroffenen im Vorfeld jegliche Möglichkeit zur Selbsthilfe gesetzeskonform verunmöglicht wird…das garantiert so sicheren Rettungsbedarf. Auch da wird der zu Rettende nicht nach seinen eigenen Vorstellungen und Lebensentwürfen gefragt, fertige, allheilbringende Konzepte stehen staatlicherseits bereit und werden ehrenamtlich unterstützt.

Wehe dem der sich nun nicht retten lassen will, oder auch nur ein Mitspracherecht fordert bei der ihm zugedachten Rettung.

Nirgends tobt der Krieg verbal krasser als wenn es um das für und wieder und die Art von Hilfe geht. Wer sich in den betreffenden foren der sozialen medien zum Thema Tierschutz umschaut wird dort einen zwischenmenschlich gnadenlosen Umgangston antreffen, der keine Meinung ausser der jehweils eigenen gelten läßt, und selbst vorsichtiges Hinterfragen wird gnadenlos bekämpft.

Dieser totalitäre Anspruch des eigenen Standpunktes ist sonst eher in politischen Diskussionen von Parteien im Wahlkampf zu finden. Aber hüben wie drüben geht es ja auch um eine Menge Geld….und wohl noch wichtiger, das eigene Selbstbild. Da werden keine Gefangenen gemacht.

 
In einer immer bedrohlicheren unberechenbaren Welt…in der wir dank Internet, sozialer medien und co jede Information über vermeintliche und reale Bedrohungslagen zeitnah frei Haus aufs Handy oder den Computer bekommen verlegen wir uns aufs Retten Anderer und begegnen so vermeinlich konstruktiv den eigenen Ohnmachtsgefühlen.
Für eine gesunde Reflexion über Zusammenhänge bleibt häufig weder Zeit noch Gelegenheit. Leider. Denn das Ganze geht zu Lasten sinnvoll durchdachten und konzipierten Tierschutzes, aber auch zu Lasten von real existierenden Handlungsalternativen und Möglichkeiten der konstruktiven Beeinflussung unseres realen Lebensumfeldes die gleichsam dem Tunnelblick unserer empfundenen Hilflosigkeit zum Opfer fallen.
Menschen und Macht

Warum erzähl ich euch das alles, was will dieser Artikel erreichen?
Mich schockiert immer wieder die Gedankenlosigkeit in der manche Tierschutz-Orgas eure, durchaus gesunde Hilfsbereitschaft und euer Mitgefühl mißbrauchen und in ihnen nützliche Bahnen lenken. Das ist eine Form von Mißbrauch. Was mich aber noch mehr schockiert ist, wie solche Geschichten ausgehen wenn sie schiefgehen. Wenn Orgas dann hier plötzlich keine Pflegeplätze haben, da man vor lauter hektische, selbstverliebten Aktionismus den Notfallplan vergass, wenn beim neuen Halter doch was schiefgeht, der Hund nicht bleiben kann ect. Dann sollen gerade frisch aus dem Ausland importierte Hunde plötzlich umgehend zurückgefahren werden da kein deutsches Tierheim sie aufnimmt, da werden frisch importierte, ergo dementsprechend verstörte, aus ihrem Lebensumfeld gerissene, desorientierte Hunde von Pflegeplatz zu Pflegeplatz verschoben bis sie innerhalb kürzester Zeit durch ein solches Tun dermaßen durch den Wind sind, das sie weit von einer potentiellen Vermittelbarkeit entfernt sind, bisweilen wirklich zu einer Gefahr für sich und andere werden. All das baden immer die Hunde aus…oder auch Halter, die, durch Apelle an ihr Mitgefühl und psychologischen Druck weichgekocht, sich dann doch für einen solchen Wanderpokal entscheiden. Ich möchte ein wenig zu diesem Thema sensibilisieren, wie auch zu den Hintergründen und Mechanismen.
 
Ich habe selbst so einen Hund. Und sie hat mein Leben grenzwertig auf den Kopf gestellt. 😉
Wenn ich mir den Moment der Entscheidung für sie im Nachhinein genauer anschaue, wie auch den Ablauf der Vermittlung, die Mechanismen die in die Entscheidung mit hinein spielten ect war mein Ursel mein persönlicher Augenöffner für vieles, was unter dem Etikett Tierschutz verkehrt läuft. Wo Emotionen mißbraucht werden um ein Geschäft am Laufen zu halten was wenigen nützt und auf dem Rücken der Tiere, der Spender und Unterstützer ausgetragen und am laufen gehalten wird. Ein Geschäft, was in den Herkunftsländern wenig nachhaltigen Nutzen hat, oft dort sogar kriminelle Machenschaften unterstützt.
Ein Geschäft, was ohne das Dramadreieck Täter, Opfer, Retter nicht funktioniert. Die Möglichkeit Mechanismen von Wirkung und Entstehung dessen zu beschauen liegt bei uns und beinhaltet die Chance genau dort die Spreu vom Weizen zu trennen.
Um in diese Mechanismen nicht einzusteigen müssen wir uns unserer eigenen Manipulierbarkeit bewußt werden.
Für einen klaren Blick im Tierschutz.
Für weitsichtiges, nachhaltiges Handeln…Mensch UND Tier zu gute.