Der Wert des Tieres

Aus aktuellem Anlaß, evtl nicht ganz der typische Osterartikel

…und zudem mein erster blogpost auf dieser Seite, möchte ich hier mit euch ein paar Gedanken zum Wert des Tieres teilen.


Der Wert des Tieres ist hierzulande zumeist ein emotionaler Wert, will heißen, ein Wert der von den Werten unserer Gesellschaft abhängt, aber auch von sozialen Gruppen und der individuellen Haltung jedes Einzelnen dazu bestimmt wird.

Ich bin aktuell heute abend über eine Seite mit Video-Aufzeichnungen von Hundekämpfen gestolpert….und ich halt mein eignes dickes Mädchen im Arm und bin entsetzt, entrüstet und…nachdenklich.
Vor ein paar Tagen war es ein Bericht über Hundefleischverzehr in China, der in meinem facebook-newsfeed erschien, nebst diverser Beiträge von einschlägigen Tierrechtsorganisationen, der mir eine zeitlang nicht mehr aus dem Kopf ging.

In dem einen Hundekampf-Video fiel mir eine Geste des einen Hundebesitzers auf:
während die Hunde kämpften streichelte er immer wieder seinen Hund , die Geste war deutlich zärtlich.
Ich habe mir die Sequenz mehrmals recht fassungslos angeschaut, mit der Frage , “was macht der da?” , da mich dieses Tun verwirrte.
Mich schockierte diese Geste fast mehr, als der Kampf, bzw nicht die Geste an sich, sondern diese absolute Schizophrenie der Zumutung an den Hund an solchen Kämpfen teilzunehmen, und der Zärtlichkeit in der Geste.

Ich bin nachdenklich. Nachdenklich darüber ob nicht auch eine gewisse Art der Schizophrenie in meinem eigenen täglichen Handeln zu finden ist. Ich frage mich ob meine eigene Reaktion des Entsetzt- und Entrüstetseins über die Schizophrenie des Anderen nicht auch aus der Verdrängung meiner eigenen Gespaltenheit entsteht.

Natürlich fühlen wir uns unbedingt im Recht mit unserer Sichtweise auf die Welt, empfinden unsere Reaktionen als beRechtigte Wut, Entrüstung, ect, denn Sichtweise und Reaktion gründet auf Werten die wir über viele Generationen weitergegeben bekommen haben, sind quasi Eins mit unserem Sein, unser Ureigenstes über das wir uns identifizieren.

Zugleich verlieren wir dabei aber aus dem Blick, das wir, z.b. heute Ostern feiern, uns mit Deko von niedlichen Küken, Eiern und Hasen umgeben während nicht unweit von uns eben diese Hühner in Massenbetrieben “erzeugt” werden, wo die Bedingungen vom Ei bis zum tiefkühlfertigen Huhn zwar etwas klinischer, darum aber nicht weniger barbarisch sind.

Oft genug ist es leicht, seine Entrüstung komplett auf Vorgänge zu projezieren, die viele Kilometer weg von uns sind, um zugleich hier entspannt konsumieren zu können, und die Entrüstung nicht an der geöffneten Kühlschranktür oder schon im Supermarkt erleben zu müssen, leichter, monatlich anonym Geld an eine Tierrechtsorganisation zu Spenden, die in China den Hundefleischverzehr unterbinden will…als hier seine eigenen Konsumgewohnheiten zu überdenken ( und zu verändern)

Es würden sich unendlich viele weitere Beispiele finden lassen für diese Spaltung in Gut und Böse, hier und weit weg, …sie nützen uns jedoch nicht wirklich, denn wirkliche Veränderungen fangen immer bei uns selbst an, in unserem Bewußtsein, im wahrnehmen unserer Mitwelt.
Denn dort entsteht der Wert den wir Dingen beimessen . Und die Eier, die wir mit unseren Kinden bunt bemalen, können uns doch nicht weniger wert sein, als das, was in einer chinesischen Provinz auf den Tellern landet?

In diesem Sinne wünsche ich noch weiterhin frohe Ostern mit produkten aus regionaler, tierqualfreier Aufzucht und Haltung.

Christiane